Meta hat 2025 die komplette Anzeigen-Auslieferung auf KI umgebaut: Andromeda wählt aus, welche Anzeigen überhaupt in Frage kommen, GEM bewertet sie, Advantage+ verteilt Budget und Zielgruppe. Das Targeting im alten Sinn ist damit weitgehend erledigt — das Creative ist das neue Targeting. Steuerung bleibt trotzdem, nur an anderer Stelle: Angebot, Creative-Vielfalt, Signalqualität, Ausschlüsse und Messung. Wer die fünf im Griff hat, lässt die KI für sich arbeiten. Wer nicht, finanziert ihr Lernen — und bejubelt dabei einen ROAS, der oft Bestandskunden-Umsatz ist.
Jede Anzeige bei Meta durchläuft grob zwei Stufen: Erst die Vorauswahl (Retrieval) — aus Millionen möglicher Anzeigen werden die paar Tausend Kandidaten gezogen, die für einen bestimmten Menschen in diesem Moment infrage kommen. Dann das Ranking und die Auktion. Andromeda ist die neue Vorauswahl. Meta hat sie Ende 2024 vorgestellt: ein tiefes neuronales Netz auf NVIDIA-Grace-Hopper-Hardware, laut Meta mit einer 10.000-fach höheren Modellkomplexität in dieser Stufe. Für den Start nannte Meta +6 % Recall und bis zu +8 % Anzeigenqualität in ausgewählten Segmenten.
Klingt nach Ingenieurs-Folklore, hat aber eine sehr praktische Folge: Früher hat die Vorauswahl stark auf die Zielgruppe gehört, die du definiert hast — Interessen, Lookalikes, Alter. Andromeda liest stattdessen, was in deiner Anzeige passiert (Bild, Text, Ton, Thema) und gleicht das mit dem Verhalten jedes einzelnen Nutzers ab. Deine Interessen-Stapel sind für die Maschine bestenfalls ein Hinweis.
Dahinter sitzt das Ranking-Modell GEM (Generative Ads Recommendation Model), das Meta als größtes Foundation-Modell für Empfehlungssysteme der Branche bezeichnet. Laut Meta brachte es nach dem Start rund +5 % Conversions auf Instagram und +3 % im Facebook-Feed. Und darüber liegt Advantage+ als Kampagnen-Oberfläche, die dir Targeting, Platzierungen und Budgetverteilung weitgehend abnimmt.
Mehr, als vielen lieb ist. In einer Advantage+-Sales-Kampagne (seit Februar 2025 der Nachfolger der Advantage+ Shopping Campaigns — mit wieder eingeführten Anzeigengruppen und mehr Ausschlussmöglichkeiten) entscheidet Meta:
Harte Grenzen, an die sich Meta hält, gibt es nur noch wenige: Standort, Mindestalter, Sprache und ausgeschlossene Custom Audiences. Alles andere ist Verhandlungsmasse der KI.
Fairerweise: oft. Laut Metas Produktseite erzielen Werbetreibende mit dem KI-Targeting von Advantage+ Shopping im Schnitt einen ROAS von 4,52 — rund 22 % mehr als Werbetreibende ohne dieses Targeting. Das ist Metas eigene Angabe, Methodik und Zeitraum sind nicht offengelegt, also mit der gebotenen Skepsis zu lesen — aber die Richtung deckt sich mit dem, was ich in Konten sehe: Wo genug Daten fließen, findet die Maschine Käufer, auf die kein Mensch mit Interessen-Targeting gekommen wäre.
Die Automatik gewinnt typischerweise, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:
Die Faustregel daraus: flache Struktur (wenige Kampagnen, wenige Ad Sets), breites Targeting, viele Creatives. Wer 2026 noch zwölf Ad Sets mit fein geschnittenen Interessen betreibt, arbeitet gegen die Maschine statt mit ihr.
Hier wird es unbequem, denn die KI optimiert präzise auf das, was du ihr sagst — nicht auf das, was du meinst. Drei Klassiker:
1. Bestandskunden als Wachstum verkauft. Die einfachsten Käufe sind die von Leuten, die ohnehin gekauft hätten. Meta hat Anfang 2025 die frühere Budgetgrenze für Bestandskunden in Advantage+ Shopping gestrichen — mit dem Argument, ohne Grenze seien die Kosten pro Kauf niedriger. Stimmt vermutlich. Seit 2026 gibt es in Sales-Kampagnen immerhin eine Einstellung zur Kundenlebenszyklus-Strategie, mit der sich gezielt auf Neukunden optimieren lässt — das ist ein Ausschluss definierter Kundensegmente, keine prozentuale Budgetgrenze. Nur: Ein Teil dieser günstigen Käufe ist Umsatz, den du auch ohne Anzeige gehabt hättest. Der Plattform-ROAS sieht toll aus, der Deckungsbeitrag merkt davon wenig. Lösung: Kundenlisten sauber pflegen, Bestandskunden in Akquise-Kampagnen ausschließen oder Neu- und Bestandskunden getrennt ausweisen.
2. Das falsche Signal. Optimierst du auf „Kauf", optimiert Meta auf irgendeinen Kauf — auch den mit 5 % Marge und hoher Retourenquote. Optimierst du auf Leads, bekommst du Leads, auch die, die dein Vertrieb nie erreicht. Die KI ist nur so schlau wie das Ziel, das du ihr gibst. Der stärkste Hebel ist deshalb, nur wertvolle Ereignisse zurückzuspielen: qualifizierte Leads statt Formular-Abschickern, Warenkorbwert nach Marge statt Brutto-Umsatz.
3. Creative-Einfalt. Andromeda fasst Anzeigen, die sich zu ähnlich sehen, in der Praxis offenbar zu einem Konzept zusammen (in der Branche „Entity ID“ genannt). Offiziell dokumentiert ist das nicht — Meta empfiehlt nur ausdrücklich Creative-Vielfalt —, aber das Muster ist in vielen Konten zu beobachten. Fünfzig leicht abgewandelte Varianten bekommen dann nicht fünfzig Chancen, sondern ungefähr eine. Vielfalt heißt: andere Botschaft, anderer Blickwinkel, anderes Format, andere Person — nicht anderer Button.
Und ein europäischer Sonderfaktor: Seit Januar 2026 bietet Meta Nutzern in der EU auf Druck der EU-Kommission (Digital Markets Act) eine überarbeitete Option mit deutlich weniger personalisierter Werbung an. Weniger Daten heißt für die Maschine weniger Signal. Umso wichtiger wird, was du selbst an First-Party-Daten beisteuerst.
Die Kontrolle ist nicht weg, sie ist umgezogen. Statt Zielgruppen zu basteln, arbeitest du an fünf Stellen, die die KI nicht selbst lösen kann:
Kein Dogma, aber ein belastbarer Ausgangspunkt für die meisten D2C- und Leadgen-Konten:
Die ehrliche Antwort auf die Titelfrage lautet also: Es bleibt weniger Stellschraube, aber nicht weniger Verantwortung. Die KI ist ein sehr guter Einkäufer von Aufmerksamkeit. Was sie einkaufen soll und ob sich der Einkauf rechnet, musst du ihr immer noch sagen.
Andromeda ist Metas Retrieval-System: die Stufe, die aus Millionen möglicher Anzeigen die wenigen Tausend Kandidaten vorauswählt, die für einen Nutzer überhaupt in die Auktion kommen. Meta hat es Ende 2024 vorgestellt und nennt für die Einführung +6 % Recall und bis zu +8 % Anzeigenqualität in ausgewählten Segmenten. Praktisch heißt das: Die Auswahl, wer deine Anzeige sieht, trifft ein neuronales Netz anhand von Nutzerverhalten und Creative-Inhalt — nicht mehr dein Interessen-Targeting.
Meist nicht als Hauptsteuerung. Bei Advantage+ Audience sind Interessen und Custom Audiences nur noch Vorschläge, die Meta erweitern darf. Harte Grenzen sind Standort, Mindestalter, Sprache und ausgeschlossene Custom Audiences. Die eigentliche Zielgruppenauswahl übernimmt das Creative: Was eine Anzeige zeigt und sagt, bestimmt, bei wem sie landet.
Nein. Advantage+ gewinnt dort, wo genug saubere Conversion-Signale und genug unterschiedliche Creatives vorhanden sind — typischerweise E-Commerce mit ordentlichem Volumen. Es verbrennt Budget, wenn das Tracking lückenhaft ist, wenn Bestandskunden nicht ausgeschlossen werden oder wenn nur auf Plattform-ROAS geschaut wird. Ob es sich lohnt, entscheidet der Deckungsbeitrag, nicht der ROAS im Ads Manager.
Fünf Dinge: das Angebot, die Creatives (Vielfalt in Konzept, Format und Botschaft), die Signalqualität (Pixel plus Conversions API, das richtige Optimierungsereignis, möglichst Deckungsbeitrag statt Umsatz), die Ausschlüsse (Bestandskunden, Mitarbeiter, Regionen) und die Messung (Inkrementalität statt geschönter Attribution). Die Zielgruppenauswahl und die Budgetverteilung macht die KI.
30 Minuten, unverbindlich — ich schaue mir dein Konto an (Struktur, Signale, Creatives, Bestandskunden-Anteil) und sage ehrlich, wo Budget verbrennt und was sich zuerst lohnt.